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Olympia Haste
Haste gesehen vom 7.Januar 2012, Seite 2

Allenthalben Befremden - Olympia distanziert sich von Berichterstattung im Stadtteilblatt

„Es ist wahrlich weder sportlich noch angebracht, hier Öl ins Feuer zu gießen!“, erklärt Manager wollsky von Olympia Haste. Seit Tagen klingelt auf der Geschäftsstelle am Haster Berg nahezu pausenlos das Telefon. Das E-Mail-Postfach quelle über, dem Faxgerät sei zwischenzeitlich das Papier ausgegangen und „der Anrufbeantworter ist auch schon heiser“, heißt es von dort.

Vor einigen Tagen hatte das Stadtteilblatt „Haste Töne“ ein paar laute solche angeschlagen und von einer „Krise“ beim Ligakonkurrenten FC Union Grüne Wiese gesprochen. Das hatte nicht nur im Nachbarort eine Welle der Empörung ausgelöst.

„Zu recht!“, betont wollsky. Seinem Empfinden nach leisteten die Verantwortlichen in Vehrte dort seit Jahren eine sehr gute Arbeit. „Der FC Union steckt in einer ähnlichen Situation wie wir. Deshalb können wir gut nachempfinden, welche Ohrfeige das für den Club ist!“ Es sei letztlich immer schwerer für Vereine, die in bescheidenen Verhältnissen lebten, überhaupt die Klasse zu halten, und übernehmen werde man sich weder hüben noch drüben: „Da gibt es genug Beispiele für Clubs, die schnell hochkommen, abstürzen und dann entweder Sanierungsfälle werden oder gleich für immer verschwinden.“ Union und Olympia seien letztlich seit langem feste Größen der Liga und die beiden Derbys Höhepunkte der Saison: „Das sind Selbstläufer“, sagt wollsky, das Zuschauerinteresse sei gegeben, ohne vorher irgendwelchen Wind machen zu müssen, „diese Derbys sind etwas ganz besonderes. Aber künstlich aufheizen muss man die Atmosphäre nicht. Wenn der Schreiberling dieser Postille uns etwas Gutes hat tun wollen, so hat er uns eher einen Bärendienst erwiesen. Denn leichter wird die Aufgabe dadurch sicher nicht!“ Andererseits handele es sich bei den meisten Verfassern von Texten in dem Stadtteilblatt ja auch um Amateure. Allerdings findet wollsky Fairness geboten, auch bei aller Konkurrenz im Nahbereich, „und das wollen und werden beide Vereine heute wie immer unter Beweis stellen. Wir wollen natürlich gewinnen und werden alles dafür tun, aber genauso wünsche ich natürlich Nessaja und Union ein gutes Spiel. Und jetzt gehe ich die Jungs einstimmen!“ Zwinkert und verschwindet im Kabinentrakt..
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Heute morgen in der Geschäftsstelle von Olympia Haste. Die Gottesdienste sind vorbei, ein paar Unentwegte finden sich ein. Anlässlich ihres Ehrentages erhalten alle Mütter einen Prosecco zur Begrüßung. Wer berechtigt ist, wird nicht in Zweifel gezogen, man kennt sich. Ein paar mümmelnde Münder sind zu sehen, kleinere hört man auch, aber die meisten der nett arrangierten Häppchen bleiben unberührt und unbeachtet:

Olympia begeht den traditionellen Saisonabschluss, gefeiert wird nicht. Wie auch. Man ist dort wieder angekommen, wo man vor Jahren den Beginn einer neuen Ära einläuten wollte. Begräbnisstimmung. Aber in vier Tagen ist ja Himmelfahrt.

Und damit verbunden die Hoffnung auf den direkten Wiederaufstieg „Tompson und die Rumpelfüßler haben das wahr gemacht“, beschwört Manager wollsky in einer kurzen Ansprache, das Schicksal der Osna Crew mit dem befreundeten Manager Rischa verschweigt er. Wollsky will bleiben: „Gerade jetzt!“. Präsident Osmers lächelt gequält. Man werde morgen miteinander sprechen, sagt er.

Nichtsdestotrotz gibt es danach das übliche Zeremoniell der Vertragsverlängerung. Rotsemöller (wollsky: „Das größte Talent, das Olympia je hervorgebracht hat!“) und Torwart Cola sind die ersten. Beide Eigengewächse unterschreiben für weitere zwei Jahre. Ebenso Holden, auch er aus der eigenen Jugend.

Aber auch das ist eine Nachricht: „Olympia wird seine Nachwuchsschulung so nicht mehr aufrecht erhalten. Sie wird zu teuer und hat sich zuwenig rentiert.“, verkündet Präsident Osmers, und wollsky fügt hinzu: „Wir sind damals mit Real Goldberg zusammen in der 5.Liga gewesen. Wir haben auf Jugendarbeit gesetzt, Goldberg hat lieber gezielt eingekauft. Wir sehen deutlich, wessen Strategie aufging.“ Zwar haben wieder alle Jugendmannschaften die zweite Spielklasse gehalten, aber für die kommende Spielzeit sei das Unterfangen zu teuer, sagen beide Herren unisono.

Trainer grollsky steht am Rande, wortkarg wie meist. Er hatte dafür plädiert, auch Abwehrtalent Ballack, die Mittelfeldhoffnung Schleckham sowie Nachwuchsstürmer Klapp zu halten. Nach langem Hin und Her erhalten alle drei einen Kontrakt für ein weiteres Jahr.

„Die Personalkosten steigen damit um 25%!“, hebt wollsky hervor. Moe Torbruegge, Lennart Bolander und Dirk Rüdiger Becker hatten auch deshalb in der zweiten Saisonhälfte gehen müssen, um den verbliebenen Kader weiter finanzieren zu können.

„Dafür ist unser Stadion aber groß genug für die kommende Spielzeit“, versucht es wollsky mit Galgenhumor, „und wenn wir wie geplant den Block 6 renovieren, fast schon luxuriös!“. Wie man’s nimmt, wenn von acht Blöcken nur drei überdacht sind.

„Jetzt müssen wir nur noch einen Sponsor finden, den unser Konzept überzeugt.“ Donnerstag gibt es die ersten Gespräche. Himmelfahrt. Wir sparen uns zum Abschluss des Berichtes einen nahe liegenden Kalauer.
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Es ist Sonntag gegen 15 Uhr, die Meisterschaft ist sicher eingefahren und das Team vor dem letzten Saisonspiel unbesiegt. Und dennoch: Olympia Haste ist in voller Mannschaftsstärke in der Bramheide im Wald unterwegs. Ist da etwas vorgefallen, was ein Straftraining rechtfertigte? „I wo“, grinst sich Manager wollsky eins, „unser Trainer ist zwar manchmal ein recht bärbeißiger Typ, aber bestimmt kein Quälix wie vielleicht ein anderer Kollege!“

Es handele sich um das Einlösen einer verlorenen Wette, erklärt er weiter, und dann auch, warum er so guter Dinge ist und warum er einfach nur zuschauen darf: „Nach der Hinspielserie haben die Jungs gewettet, dass sie es schaffen, 60 Punkte zu holen. Dafür hätte ich das Team in Pils aufwiegen sollen. Das ist seit gestern aber hinfällig. Schade, hätte ich doch gerne gemacht!“ Und nun reichen seine Mundwinkel vollends zu den Ohrmuscheln hinauf.

Einige, berichtet er weiter, seien sogar der Meinung gewesen, damit „einen Rekord für die Ewigkeit“ aufzustellen, aber dann sei schnell klar geworden, dass 60 Punkte schon mehrmals erreicht wurden. „62 Punkte sind meines Wissens das Maß aller Dinge!“, betont wollsky, und verweist auf die Saison Nr.10 in der 3.Liga III mit dem Meister Altenhasungen.

Wir nehmen das einmal so hin und wollen jetzt aber wissen, warum die Mannschaft denn in Gänze und eher andächtig durch den Wald stapft, und was Dr. med. Misicher hier will, der frühere langjährige Mannschaftskapitän von Olympia und ortsansässiger Allgemeinmediziner.

„Nun ja“, erklärt wollsky, er ist unser Experte, denn die Jungs haben leider keine Ahnung und können essbare nicht von giftigen unterscheiden. Ich hatte dagegen gehalten, dass, wenn sie die 60 Punkte verfehlen, ich mein Gewicht in Pilzen aufgewogen haben wollte, und nun müssen die Jungs die stattliche Kilozahl zusammentragen. Aber das sieht so gar ganz gut aus heute!“ Spricht’s und klopft dem Sportskameraden Mose Tlustek anerkennend auf die Schulter, der es wieder durch die Baumreihen geschafft hat und mit einem weiteren Korb mit verschiedenen Exemplaren der Röhrlingsfamilie zum Sammelplatz stürmt.

Der schnauft nur kurz und setzt sich sofort wieder in Bewegung. „Du musst auch dahin, wo’s weh tut!“, feixt wollsky und meint, dass das Team wohl bis zum Dunkelwerden fertig werden könnte. „Bei Westerhaus stehen die weiteren Zutaten schon bereit“, frohlockt wollsky, „gleich geht’s dann ans Putzen, damit wir uns heute abend eine Riesen-Pilzpfanne einverleiben können! Und natürlich wird anständig nachgespült!“

Ein Sonderlob hat sich übrigens der junge Luca Mühle verdient, der ein Prachtexemplar von Pfifferling erspähte und von den Kollegen gleich den Spitznamen „Trüffelschwein“ verpasst bekam. Im Gegensatz zu anderen Mannschaften stimmt hier also der Teamgeist. Und tatsächlich: bis auf George W. Krüppel, dessen Diagnose Kreuzbandriss ihm eine plausible Ausrede gibt, mühen sich alle, die Wette quasi wett zu machen, wenn auch einige erkennbar keine geeignete Kleidung im Schrank hatten finden können.

Nur hin und wieder schreit jemand Bärbeißiges „Ordnung, Männer, mehr Ordnung!“ durch den Wald. Aber wirklich nur manchmal.
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Sportlich betrachtet die überzeugendste Saison aller Zeiten: 58 Punkte von 66 möglichen sind der Spitzenwert dieser Saison in allen Spielklassen, auch die geringste Anzahl der Gegentore (11) und die Tordifferenz (+70) sind die Topwerte. Als einziges Team blieb Olympia Haste in dieser Spielzeit unbesiegt.

Auf dem traditionellen Empfang in der Geschäftsstelle am Haster Berg ist die Stimmung zwar deutlich besser als beim letzten Mal, von Ausgelassenheit aber keine Spur. Der Erfolg hatte seinen Preis, man geht mit Hypotheken in die 4.Liga I: Humphrey Akebono ließ sich im letzten Spiel, nach dem er selbst soeben das 7:0 erzielt hatte, in den Schlussminuten zu einer unüberlegten Abwehraktion hinreißen und ist ebenso wie Glasgow Ballack für die ersten Partien in der neuen Liga gesperrt. Immerhin steht mit Hagen Baracus ein hoffnungsvoller Nachwuchskicker in den Startlöchern.

Schlimmer dran ist Ruprecht Ehlert. Der Mittelfeld-Routinier hat eine überzeugende Saisonleistung abgeliefert, traf bei 15 Einsätzen immerhin dreimal und hatte seinen persönlichen Anteil am Aufstieg. In der kommenden Spielzeit wird er aber mit seinem kurz vor dem Abpfiff der letzten Partie erlittenen Kreuzbandriss weitgehend zum Zuschauen verurteilt sein. Bitter. Im Gegensatz zu George W. Krüppel, den zuvor das gleiche Schicksal ereilt hatte, bleibt Ehlert aber im Kader.

Krüppel hätte ohnehin gehen müssen, damit Olympia den verbleibenden Kader weiterhin finanzieren kann. Manager wollsky muss sich aber indes Vorwürfe gefallen lassen, eine zu hohe Ablöse gefordert zu haben, so dass sich kein interessierter Verein fand. Krüppel wurde nach seiner Verletzung still und heimlich abgefunden. Auch der Versuch des Verkaufs von Jacobi in letzter Minute gilt nicht gerade als Glanzstück des Managers. Das Tuch zwischen wollsky und dem Verteidiger, dessen Markwert zuletzt sein kümmerliches Gehalt exorbitant überstieg, ist dementsprechend zerrissen und Jacobi wird weder einen neuen Vertrag erhalten noch will er den.

Dass die Oldies Mario Kefir und Earl Dieckmann in Fußball-Rente gehen, war dagegen lange klar. Der Earl wird immerhin mit lang anhaltendem Beifall für seine langjährige Tätigkeit verabschiedet.

Andere aber bleiben: Für Sturmführer Mose Tlustek und den Shooting-Star im Mittelfeld Torben Schleckham (auch der spielte zunächst für ein Taschengeld) hat Olympia tief in die Tasche gegriffen, aber die Vereinsführung ist überzeugt davon, dass beide auch zukünftig Leistungsträger sein werden. Auch die Vertragsverlängerung des zweiten Torwarts Carlo Jähn stand nie zur Diskussion. Frühzeitig für ein weiteres Jahr gebunden haben sich auch Conrad Rotsemöller und Harrison Niobat.

Damit ist das Budget ausgereizt. Für Jugendförderung bleibt wie auch in diesem Jahr kein Geld. Alle Jugendmannschaften Olympias sind konsequenterweise sang- und klanglos in die Dritte Liga abgestiegen und werden wohl in die Vierte Spielklasse durchgereicht. Präsident Osmers spricht von „Konsolidierung“. Er sagt das ganz leise. Manager wollsky schweigt.
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Sperren werden nicht mit in die neue Saison genommen.
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"Es gibt keinen Grund, Viktoria Tompson zu unterschätzen", paukt Trainer grollsky seinen Mannen ein, und die vollenden brav im Chor: "die Viktoria ist nicht so schlecht wie ihr Tabellenplatz!" Wer sich noch leise Hoffnungen macht, morgen im Kader zu stehen, sich aber dessen nicht sicher sein kann, den hört man deutlich heraus. Der eine oder andere kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, lässt das den Trainer aber lieber nicht sehen. Doch grollsky kennt seine Pappenheimer. Besonders seine Abwehr zitiert er wieder und wieder herbei, um ihr seine Botschaft einzutrichtern: "Schaut auf deren Noten in den Fachmagazinen! Und dann schaut auf eure!" "Ja Trainer..." Das Training geht weiter, aber das Fachblatt bleibt aufgeschlagen. Auf Haste mag man grollskys subtile Art.
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Aus dem ArchivBig Grin:

Spielbericht Olympia Haste - Space Balls 23.02.2013

Gipfeltreffen in der 4.Liga I am heutigen Spieltag. Der Tabellenführer empfängt den Zweiten und es entspricht eine spannende Partie zu werden! Die Olympia ist heuer schwer zu schlagen und hat von den letzten 40 Partien gerade einmal zwei verloren - und zwar gegen den heutigen Kontrahenten: in Olympias Abstiegssaison aus eben dieser Liga besiegelte eine 0:1 Heimniederlage den Weg in die Fünfte und in dieser Spielzeit musste sich Olympia mit demselben Ergebnis bei den Space-Balls geschlagen geben.

Damals hatten die Mannen von Team-Manager Bali die Tabellenführung erfolgreich verteidigt, doch inzwischen hat sich das Blatt gewandelt und die Olympia ist den Verfolgern bereits ein gutes Stück enteilt. Entsprechend ist die Heimmannschaft auch heute favorisiert, zumal die Space-Balls immer noch auf den verletzten Stürmer Marquadus Mimlau verzichten müssen und Mittelfeld-Ass Terence Heinrich nach der vierten gelben Karte gesperrt ist. Olympia Haste dagegen kann das verletzungsbedingte Fehlen von Baba Diablo leicht kompensieren.

Heftiges Schneetreiben und ein scharfer Wind sorgen für einigermaßen schwierige äußere Bedingungen sowie dafür, dass das Stadion nicht ausverkauft ist. Dennoch herrscht auf Haste freudige und gespannte Erwartung.

Das Spiel braucht ein bisschen Warmlaufzeit. Olympia trotz dreier nomineller Stürmer doch eher kompakt agierend, auch bei den Space-Balls setzt man auf eine Ausgewogenheit im Offensiv- und Defensivverhalten. Die Gäste mit dem ersten halbwegs viel versprechenden Konter, aber Olympias Mittelfeldstratege Rotsemöller ist auch defensiv ein zweikampfstarker Akteur. Dass die Gäste sich hier nicht verstecken, schafft Olympia die Räume für schnell Spielzüge. Die erste verheißungsvolle Möglichkeit ergibt sich nach acht Spielminuten, als Innenverteidiger Niobat einen unwiderstehlichen Spurt ansetzt und einfach mal abzieht. Torwart Voelker sieht den Ball womöglich zu spät, der seifige Boden tut sein übriges und der Ball schlägt ein in die Maschen zur 1:0-Führung für den Tabellenführer.

Das ist ein echter Wirkungstreffer, von dem sich die Gäste offenbar erholen müssen, doch lange haben sie dazu nicht Zeit. Gut zehn Minuten später nimmt sich Torben Schleckham ein Herz und den Ball und lässt Gegenspieler Hund einfach stehen. Was dann folgt ist ein ebenso harter wie präziser Schuss, den der bedauernswerte Voelker ebenfalls nicht entschärft bekommt: 2:0 für Olympia Haste mit der zweiten Chance.

Die Hausherren schalten auf diesem Boden postwendend einen Gang zurück und überlassen den Space-Balls die Initiative. Die kommen gefährlich über Lando Harloff, aber Niobat fährt im energisch in die Parade. Für Harloff geht es nicht mehr weiter, für ihn kommt Nazr Fresse. Den Spielfluss der Space Balls trübt das zwar nicht, aber sie kommen einfach nicht bis vors gegnerische Tor.

Eine Viertelstunde lässt sich der Tabellenführer Zeit bis zu seiner nächsten Vorwärtsaktion. Wieder ist es Schleckham, der das Leder in Richtung Tor bugsiert, aber dieses Mal packt Voelker ganz sicher zu.

Bis zur Halbzeit tut sich nichts mehr. Auf Seiten der Gastgeber bleibt Schleckham in der Kabine. Er hat sich in der ersten Hälfte ziemlich verausgabt, für ihn kommt Meinfridus Drescher. Auch der blasse Holden wird durch Lorik Schmunkamp ersetzt. Keine Wechsel bei den Space-Balls.
Die erste Chance gebührt dem Tabellenzweiten, aber wieder ist Rotsemöller Herr der Lage und leitet den Gegenangriff ein. Er setzt Niobat in Szene, der mit der Kugel auf und davon läuft und eine herrliche Flanke in den Strafraum schlägt. In der Mitte ist Hund nicht eng genug bei Luca Mühle, und der Youngster hat keine Mühe, aus kurzer Distanz zu vollenden. 3:0.

Die Space-Balls sind angezählt und Olympia setzt nach. Drescher auf Akebono, der ebenfalls zu einem Flankenlauf ansetzt, aber im letzten Moment von Kay Makaay gestoppt wird. Während Humphrey Akebono mit einer Trage vom Feld geholt und durch Reiner Ninja ersetzt wird, legt sich Rotsemöller den Ball zurecht. Er nimmt Anlauf und Maß - und zur Verwunderung aller ist der Ball im Tor! Aus diesem Winkel! Erst die Wiederholung zeigt, dass der Ball mindestens zweimal abgefälscht wird, bevor er seinen Weg in den Kasten findet. Es ist im dichten Schneetreiben nicht einmal genau auszumachen, wer da wie dran war, und so wird der Treffer Rotsemöller zugeschrieben. Freches Ding und wohl so nur bei solchen Bodenverhältnissen möglich. Nach nicht einmal einer Stunde heißt es also 4:0 für die Hausherren, die heute einfach einen Traumtag erwischt zu haben scheinen.

Vier Minuten später die nächste gefährliche Flanke in den Strafraum der Gäste, aber dieses Mal ist der Versuch von Ballack zu ungenau. Auf der Gegenseite das gewohnte Bild: keine Durchkommen für die Space-Balls. Fresse holt sich einigermaßen frustriert einen gelben Karton ab.

Der Tabellenführer aber hat noch nicht genug. 75. Minute und Ballack dieses Mal steil auf Drescher, der Imlauso enteilt und die Kugel eiskalt versenkt. Aber auch hier sorgt letztlich der Boden dafür, dass Voelker sich ein wenig verschaetzt. Das 5:0 ist der K.O.-Schlag, von den Space-Balls kommt nichts mehr und der Tabellenführer lässt das Spiel in Ruhe ausklingen.

Olympia Haste nutzt also auf einem schwer bespielbaren Geläuf den Heimvorteil und wahrt seinen Vorsprung auf die Verfolger. Minutenlang singen die Fans noch: „Nie mehr vierte Liga…!“ Die Space-Balls dagegen sind das erste Mal seit dem siebten Spieltag nicht mehr auf einem Aufstiegsplatz, der vierte Rang ist sogar die schlechteste Saisonplatzierung bisher und der Aufstieg damit einigermaßen fraglich geworden.
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Das Ende einer Ära

„Sehr geehrte Damen und Herren, es liegen einige ereignisreiche Jahre hinter uns!“. Präsident Osmers sagt das mit einem Minimum nötigen Ernstes, dafür mit um so feierlicherer Stimme, und sein Gesicht spiegelt exakt die allgemeine Stimmung beim traditionellen Saisonabschluss von Olympia Haste wider: entspannt und heiter, und ein kleines bisschen stolz.

Diese wenigen Worte genügen, die Aufmerksamkeit der versammelten Vereinsmitglieder und Fans zu gewinnen. Nicht, dass der Vereinsboss ein begnadeter Rhetoriker wäre oder über ein unwiderstehliches Charisma verfügte, im Gegenteil: die Tatsache allein, DASS er das Mikrofon genommen und sich anschickt, eine Ansprache zu halten, die auf dem Programm so nicht vorgesehen ist, lässt Ungewöhnliches vermuten.

„Wir haben im Präsidium darüber in letzter Zeit wiederholt gesprochen, und nachdem der Aufstieg in trockenen Tüchern war, haben wir einstimmig festgestellt, dass dieses genau der richtige Moment ist, einen personellen Schnitt zu machen und einen Schlussstrich zu ziehen…“. Bemerkenswert, wie er diese letzten Worte in der Luft hängen lassen kann, dieses Talent ist in den über zwei Jahrzehnten seiner Amtszeit noch niemandem aufgefallen. Ein Kaffeelöffel fällt herunter, der Verursacher wird mit zahlreichen Blicken ungespitzt in den Boden des Vereinsheimes gerammt, läuft rot an und verschüttet fast noch den verbleibenden Inhalt seines heißen Getränkes. Sollte jetzt irgendein Handy klingeln, wird dessen Besitzer wohl seinen Mitgliedsausweis zurückgeben müssen.

„Es ist wirklich ein schwerer, aber zugleich auch konsequenter und letztlich notwendiger Schritt“, fährt Osmers fort, "aber ich möchte Ihnen und der gesamten Öffentlichkeit schon vor der Jahreshauptversammlung am Mittwoch reinen Wein einschenken.“ Es ist mucksmäuschenstill im übervollen Saal, nur das verstohlene Zucken einiger Hände und Arme lässt vermuten, dass nunmehr alle Mobilfunkgeräte auf lautlos gestellt werden.

„Der Verein steht in diesem Moment glänzend da! Zum zweiten Male aufgestiegen in die dritte Liga, alle Jugendmannschaften gehören ebenso dieser Spielklasse weiter an. Die nächsten beiden Talente warten bereits im Nachwuchskader. Der Verein ist wirtschaftlich gesund, wir erwarten einen schönen siebenstelligen Sponsorenbetrag und haben noch einiges auf der hohen Kante. Olympia Haste ist ein Verein, der von sich reden gemacht hat, vielleicht kein Kult-Club, noch nicht, aber einer, über den man spricht. Das haben wir denen zu verdanken, die seit geraumer Zeit in der Verantwortung stehen…“ Wenn Spötter schon mal angemerkt haben, in und auf Haste sei in Sachen Profi-Fußball die Zeit stehen geblieben, so bewahrheitet sich diese Ansicht genau in diesem endlosen Moment. „… und denen, die auch in schweren Zeiten, bedingungslos oder auch schweren Herzens, zu diesem Verein gestanden und sich für ihn förmlich zerrissen haben!“ Der Redner fingert ein Stofftaschentuch aus seiner linken Jacketttasche und tupft sich über die lichte Stirn. Ein Glas wird ihm gereicht, er nimmt einen Schluck. „Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen aus tiefster Seele für diese wunderschöne Zeit und gebe Ihnen hiermit bekannt, dass ich am Mittwoch nicht erneut kandidieren werde. Danke. Danke für alles!“ Wir erleben einen weiteren endlosen Augenblick und den Beweis, dass sich mucksmäuschenstill noch steigern lässt. Dann hört man von irgendwo zwei Hände langsam aufeinander schlagen und geradezu dankbar fällt die versammelte Gemeinde ein. Hochrufe ertönen und auf wundersame Weise sind da plötzlich ein Blumenstrauß und ein Pressefotograf. Einige Herren sowie eine Dame, allesamt ehrwürdige Vereinsmitglieder mit Sitz und Stimme in Vereinsgremien, umringen jetzt den scheidenden Vorsitzenden und wollen ihn überall dort berühren, wo es die Etikette zulässt, und ihn womöglich nicht mehr loslassen. Hier löst sich die Anspannung und macht einer Feierstimmung Platz, bei der noch einige spontane Ansprachen abgelesen werden. Man bringt sich in Position und der Mittwoch verspricht, spannend zu werden.
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Keine Nachfolge für Osmers
Veritable Provinzposse bei Olympia Haste

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Die diesjährige Jahreshauptversammlung von Olympia Haste am letzten Mittwoch endete mit einem Paukenschlag: für die Nachfolge von Ex-Präsident Dr. Oswald Osmers, der nicht mehr kandidierte, muss eine außerordentliche Sitzung anberaumt werden, da keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten die notwendigen Voraussetzungen erfüllte. Ein Kuriosum, dass es so wohl nur auf Haste geben kann. Aber der Reihe nach…

Wie immer begann alles harmonisch und beim Auftritt der Turnflöhe hatten alle irgendwie ein Déjà-vu: charmante Ungelenkigkeit, tapferes Lächeln, manche Träne und wider besseres Wissen begeistert klatschende und johlende Eltern sowie die nach der unangemessen euphorischen Verabschiedung eine entspannte, fast schon schläfrige Ruhe bei der Sachdarstellung der einzelnen Sportarten, die nur unterbrochen wird von einigen hochgehaltenen Pokalen (auf regionaler Ebene) sowie natürlich den Rhönrad-Damen (ein echter Hingucker und Wachmacher). Alle Tanzgruppen führen dieses Mal zwischen den einzelnen Jahresberichten Szenen aus Musicals auf, wobei das Bemerkenswerteste schon darin besteht, dass auch zwei Jungen dabei sind (deren Namen wir aber hier auf keinen Fall nennen dürfen).

Dann die Neuwahlen, und um das Amt des Präsidenten gibt es wie erwartet eine Kampfabstimmung zwischen Dr. Robert Tillenborg, lautstark unterstützt von seinem Bruder Thomas, sowie Dr. Gabriele Zugerne-Wichtich, auch sie („es wird mal Zeit, dass eine Frau…“) nicht ohne stimmgewaltige Unterstützung. Die Sitzordnung ergibt plötzlich einen Sinn, sie teilt die anwesenden Mitglieder deutlich in zwei Lager. Weitere Kandidaturen gibt es nicht. Dr. Osmers, der mittlerweile vom Vorsitzenden zum Wahlleiter mutiert ist, schlägt eine offene Abstimmung vor und bemerkt gerade, dass man bei nicht erfolgender Gegenrede so verfahren werde, da erhebt sich grinsend der Jugendwart Lando Hulpe (27) und präsentiert ein Schriftstück in der Hand seines gehobenen rechten Armes, während die Linke ein Bierglas hochhält. „Darf ich das als Antrag zur Geschäftsordnung werten?“, juxt Osmers, und will unbeirrt fortfahren, als der Angesprochene die Frage bejaht.

„Also meinetwegen!“, knurrt Osmers, „was haben Sie denn?“ „Die Vereinssatzung!“, triumphiert Hulpe, der seit Ewigkeiten auf den Sprung in den Fußball-Profikader wartet und nunmehr seinen großen Auftritt genießt, „und ich verweise auf §27 Abs. 3!“. Pause.

„Und was steht da so Wichtiges?“ „Dass der oder die Vorsitzende nicht Mitglied einer politischen Partei sein darf!“ Ein gewaltiges Gemurmel erhebt sich, denn beide Vorgeschlagenen haben ein Parteibuch, wenn auch nicht das gleiche. „Von wann ist die Regelung?“, will einer wissen, und: „Gilt das denn noch?“

„Kann doch gar nicht!“, ruft Dr. Thomas Tillenborg, der die guten Aussichten seines Bruders schwinden sieht, wühlt in seiner Aktentasche herum und zieht ein eigenes Exemplar hervor. Aber da steht es ebenso geschrieben. Konsterniert klappt Tillenborg das Büchlein zusammen und sackt auf seinen Stuhl. „Können wir das nicht ändern?“, fragt jemand, aber auch darauf hat Jugendwart Hulpe die richtige Antwort: „Satzungsänderungen müssen schriftlich beantragt werden, bis eine Woche vor Sitzungsbeginn!“ sagt er verschmitzt, „und dann bedarf es einer Zweidrittel-Mehrheit“.

Zwei separate Mitgliedergruppen stecken die Köpfe zusammen, es werden neue Namen gehandelt, einer meint sogar: „Soll es doch der Hulpe machen!“, aber am Ende löst sich alles in schwarzen Rauch auf. Es ist Geschäftsführer Peter Vogelsang, der am Ende verkünden muss, dass er zu einer Sondersitzung einladen wird. Termin folgt.
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Hiermit reiche ich meine Bewerbung ein! Cool
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